Schultrojaner kommt doch nicht

Egal ob einzelnes Arbeitsblatt oder komplettes Lehrwerk: Das Kopieren von Unterrichtsmaterial gehört für Lehrkräfte zum Alltag. Dass das Beachten des Urheberrechts dabei nicht unbedingt immer an erster Stelle steht, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen.

Heutzutage läuft natürlich längst alles digital. Die schön gestaltete Formelsammlung, das innovative Arbeitsblatt, die passende Illustration zum Thema – alles ist binnen Sekunden per Mail mit den Kollegen getauscht. Dann nur noch ausdrucken und durch den Kopierer – fertig ist der Unterricht. Klingt praktisch, und das ist es auch.

Mittlerweile gibt es im Netz diverse Börsen für Unterrichtsmaterial, wie z.B. 4teachers.de. Dort werden nach dem Tauschprinzip kostenlose Unterrichtsmaterialien angeboten. Der Nachteil ist allen, die derartige Plattformen nutzen, bekannt: Die Qualität der Materialien lässt oft stark zu wünschen übrig.


Wer auf professionell konzipiertes und gestaltetes Material, wie es z.B. viele Schulbuchverlage anbieten, zurückgreifen möchte, kann das ebenso bequem tun. Nachteil ist natürlich, dass dies – legal – nicht kostenlos möglich ist. Um ausuferndes Schwarzkopieren von Unterrichtsmaterial zu unterbinden, wurde schließlich geplant, eine bundesweite Überwachungssoftware einzuführen, die auf allen Rechnern an Schulen und anderen Bildungsträgern den Einsatz nicht lizensierter Inhalte überwachen sollte.

Da dies technisch gesehen nichts anderes ist als ein Virus, war schnell vom »Schultrojaner« die Rede, der heftig und kontrovers diskutiert wurde. Jetzt scheint dieses Konzept glücklicherweise vom Tisch. Vertreter der Länder und der Schulbuchverlage haben sich einvernehmlich darauf geeinigt, auf derartige Maßnahmen zu verzichten.

Um es noch einmal klar zu sagen: Die Urheber-Interessen sind absolut berechtigt und deren Durchsetzung notwendig und legitim, allerdings können derartige Überwachungsmaßnahmen auf Kosten des Datenschutzes nicht die Lösung sein, was auch in der Presseerklärung noch einmal mit starken Worten betont wird:

Das Recht der Urheber und Verlage an ihrem geistigen Eigentum ist ein hohes Gut, das an den Schulen respektiert und geschützt wird. Nunmehr kommt es darauf an, die rechtlichen Rahmenbedingungen auszuloten und zu Lösungen zu kommen, die der Bildungs- und Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert entsprechen.

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