Schufa plant Auswertung von Facebook-Daten

Auf Facebook angesprochen sage ich den Leuten immer: »Stell dir vor, in deiner Stadt hängt ein riesiges Plakat, das alle Leute immer sehen können. Alles über dich, vom dem es dich nicht stört, dass es groß und deutlich auf diesem Plakat für Fremde, Freunde, Familie, Nachbarn und Arbeitgeber zu sehen ist, das kannst du auf Facebook veröffentlichen. Alles andere würde ich mir gut überlegen.«

Inzwischen scheint auch dieser Ratschlag nicht mehr angemessen. Heute berichten alle großen Nachrichten-Portale über Pläne der Schufa, Facebook-Daten systematisch auswerten zu wollen, um so Erkenntnisse über die Kreditwürdigkeit von Personen zu gewinnen. »Data-Mining« nennt sich dieses datenschutzrechtlich zweifelhafte Vorgehen im Fachjargon.

Damit würde eine neue Qualität bei der Abschaffung jeglicher Privatsphäre geschaffen. Unbedarfte, vermeintlich private Äußerungen darüber, welches Auto man sich kaufen möchte, wohin der letzte Urlaub ging oder wie viel man neulich beim Shoppen ausgegeben hat, werden von Big Brother genau überwacht und analysiert. Daraus werden dann Informationen extrahiert, die in die Beurteilung der jeweiligen Person einfließen – Fehlinterpretationen inklusive. Dass diese Technik, einmal installiert, sich dann durch ein paar simple Anpassungen der Suchparameter auch als Gesinnungs-Detektiv nutzen ließe, dürfte klar sein.

Schöne neue Welt.

Update: Mittlerweile ist das Hasso-Plattner-Institut, das dieses »Forschungsprojekt« für die Schufa durchführen sollte, aus dem Projekt ausgestiegen. Zu glauben die Sache ist damit vom Tisch, wäre naiv. Die Schufa selbst hat nämlich nicht Abstand davon genommen und wird sicher schnell einen anderen, diskreten Partner für diesen Auftrag finden.

Ein Kommentar

  1. Ich denke mir nur, dass wenn von staatlicher Seite so gepusht wird, die privaten Firmen sich ja nur noch mehr trauen werden und die Leute am Ende ganz legal von allen ausspioniert werden könnten.

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