Archiv der Kategorie: Recht

Grundbildung als Grundrecht

Wie die Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben (DGLS) vermeldet, hat das European Literacy Policy Network (ELINET) das Grundrecht europäischer Bürgerinnen und Bürger auf Lese- und Schreibkompetenz formuliert und in 11 Punkten zusammengefasst.

  1. Kleine Kinder werden in der Familie in ihrer sprachlichen und schriftsprachlichen Entwicklung gefördert.
  2. Eltern werden aktiv darin unterstützt, den Sprach- und Schriftspracherwerb ihrer Kinder zu fördern.
  3. Erschwingliche und qualitativ hochwertige Vorschulen und Kin­dergärten fördern die sprachliche und schriftsprachliche Entwicklung aller Kinder.
  4. Ein anspruchsvoller Lese- und Schreibunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird als Kernaufgabe aller Bildungsinstitutionen angesehen.
  5. Alle Lehrkräfte erhalten eine solide Aus- und Fortbildung, damit sie der an-spruchsvollen Aufgabe der Vermittlung von Lese- und Schreibkompetenzen im Sprach- und Fachunterricht gerecht werden können.
  6. Digitale Kompetenz wird bei allen Altersgruppen gefördert.
  7. Lesen zum Vergnügen wird aktiv gefördert und angeregt.
  8. Bibliotheken sind für alle Bürger/innen leicht zugänglich und bestmöglich ausgestattet.
  9. Kinder und Jugendliche, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, bekommen angemessene Hilfe von Expertinnen und Experten.
  10. Erwachsene werden dabei unterstützt, die notwendigen Lese- und Schreibfähigkeiten zu entwickeln, um aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können.
  11. Politische Entscheidungsträger, Fachleute, Eltern und kommunale Einrichtungen arbeiten gemeinsam an dem Ziel, allen Menschen den Erwerb angemessener Lese- und Schreibkompetenz zu ermöglichen und Bildungsbenachteiligung zu überwinden.

Weiterhin gibt es diesen Film, leider nur auf Englisch:

Die Grundrechtserklärung auf Deutsch finden Sie schön gestaltet hier als Poster oder hier als zweiseitiges Dokument.

Links:

Grundgesetz als Open Data

Auch wenn es diverse Leute aus ganz unterschiedlichen Gründen gern ändern würden: Noch ist das Internet bei uns einigermaßen frei und unzensiert. Dazu passt wunderbar ein Projekt des Chaos Computer Clubs (CCC), in dem unser Grundgesetz als Open Data im Netz angeboten wird:

gg_docpatch_org

Das Projekt eignet sich ganz ausgezeichnet für Unterrichtszwecke, auch wenn es detaillierter sein soll. Eine sehr schöne, interaktive Zeitleiste lässt komfortabel alle jemals gemachten Änderungen nachvollziehen.

Weiterhin gibt es eine Statistikfunktion und die Möglichkeit, sämtliche Fassungen in allen möglichen Dateiformaten herunterzuladen.

Ein tolles und wichtiges Projekt, das den „Hacker Ethics“ folgt, die übrigens auch lesenswert sind und als Unterrichtsstoff taugen. Hier die Links:

 

58 Sekunden [2. Update]

Es gibt ja Leute, die nerven ungemein, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Da gibt es z.B. die Datenschützer, die ewig paranoid an allem was auszusetzen haben und einem den ganzen Spaß an der schönen bunten facebook-BILD-RTL-Welt verderben. Und dann natürlich noch die Verschwörungstheoretiker, die unermüdlich von gekauften Gesetzen, systematischer Manipulation und Ausverkauf der Bürgerrechte reden. Und dann kommt der Moment, wo plötzlich ein Beweis dafür auf den Tisch liegt.

Es ist ein unglaubliches Zeitdokument. Behörden dürfen bekanntlich zwangsweise Daten der Bürger erheben. Man kann darüber diskutieren, aber ganz ohne geht es wohl nicht. Ein neues Gesetz perveriert dieses Recht jetzt geradezu: Städte dürfen künftig ganz legal die zwangsweise erhobenen Daten ihrer Bürger verkaufen, an Werbetreibende und alle, die sich dafür ausgeben.

So was kann doch nicht ohne Diskussion durchs Parlament gehen, glauben Sie? Doch geht ganz einfach, nämlich so: Man wähle den Termin geschickt, etwa gleichzeitig zur Übertragung des EM-Spiels Deutschland gegen Italien. Schon schaut keiner mehr richtig hin und es sind noch viel weniger Parlamentarier da als sonst, nur etwa 10 % der Abgeordneten (keine Sorge, die anderen bekommen ihr Ihr Geld trotzdem). Und wer es immer noch nicht glaubt, dass dieses vollkommen sinnfreie Gesetz ohne jede Diskussion in weniger als einer Minute von unseren Volksvertretern beschlossen worden ist, hat den Beweis hier vor Augen:

Ach ja: Im Vergleich zu manch anderem Politiker hatte ich für Petra Pau ja bislang durchaus noch was übrig. Bis heute. Natürlich ist jetzt die Opposition urplötzlich pflichbewusst aufgewacht.
 
Nachtrag: Die Posse geht weiter. Mittlerweile distanziert sich die Bundesregierung von ihrem eigenen Gesetz. Schuld hat nun angeblich die CSU.
 
Nachtrag 2: Es ist wirklich nicht zu glauben. Wie im Kindergarten will plötzlich niemand mehr was mit den Gesetz zu tun haben. Wahllose Schlagzeilen-Auswahl hier, hier, hier, hier und hier. Es ist tatsächlich dermaßen unfassbar, dass ich ernsthaft überlege, künftig nicht mehr wählen zu gehen.
 

Schufa plant Auswertung von Facebook-Daten

Auf Facebook angesprochen sage ich den Leuten immer: »Stell dir vor, in deiner Stadt hängt ein riesiges Plakat, das alle Leute immer sehen können. Alles über dich, vom dem es dich nicht stört, dass es groß und deutlich auf diesem Plakat für Fremde, Freunde, Familie, Nachbarn und Arbeitgeber zu sehen ist, das kannst du auf Facebook veröffentlichen. Alles andere würde ich mir gut überlegen.«

Inzwischen scheint auch dieser Ratschlag nicht mehr angemessen. Heute berichten alle großen Nachrichten-Portale über Pläne der Schufa, Facebook-Daten systematisch auswerten zu wollen, um so Erkenntnisse über die Kreditwürdigkeit von Personen zu gewinnen. »Data-Mining« nennt sich dieses datenschutzrechtlich zweifelhafte Vorgehen im Fachjargon.

Damit würde eine neue Qualität bei der Abschaffung jeglicher Privatsphäre geschaffen. Unbedarfte, vermeintlich private Äußerungen darüber, welches Auto man sich kaufen möchte, wohin der letzte Urlaub ging oder wie viel man neulich beim Shoppen ausgegeben hat, werden von Big Brother genau überwacht und analysiert. Daraus werden dann Informationen extrahiert, die in die Beurteilung der jeweiligen Person einfließen – Fehlinterpretationen inklusive. Dass diese Technik, einmal installiert, sich dann durch ein paar simple Anpassungen der Suchparameter auch als Gesinnungs-Detektiv nutzen ließe, dürfte klar sein.

Schöne neue Welt.

Update: Mittlerweile ist das Hasso-Plattner-Institut, das dieses »Forschungsprojekt« für die Schufa durchführen sollte, aus dem Projekt ausgestiegen. Zu glauben die Sache ist damit vom Tisch, wäre naiv. Die Schufa selbst hat nämlich nicht Abstand davon genommen und wird sicher schnell einen anderen, diskreten Partner für diesen Auftrag finden.

Schultrojaner kommt doch nicht

Egal ob einzelnes Arbeitsblatt oder komplettes Lehrwerk: Das Kopieren von Unterrichtsmaterial gehört für Lehrkräfte zum Alltag. Dass das Beachten des Urheberrechts dabei nicht unbedingt immer an erster Stelle steht, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen.

Heutzutage läuft natürlich längst alles digital. Die schön gestaltete Formelsammlung, das innovative Arbeitsblatt, die passende Illustration zum Thema – alles ist binnen Sekunden per Mail mit den Kollegen getauscht. Dann nur noch ausdrucken und durch den Kopierer – fertig ist der Unterricht. Klingt praktisch, und das ist es auch.

Mittlerweile gibt es im Netz diverse Börsen für Unterrichtsmaterial, wie z.B. 4teachers.de. Dort werden nach dem Tauschprinzip kostenlose Unterrichtsmaterialien angeboten. Der Nachteil ist allen, die derartige Plattformen nutzen, bekannt: Die Qualität der Materialien lässt oft stark zu wünschen übrig.

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