Smartphone Nachdenken

Vor kurzem stolperte auch ich über das »phonest«, was wohl ein Kofferwort aus phone und honest ist. Es soll ein neues Smartphone sein, dessen Produktionsbedingungen vollständig transparent sind. Wie jetzt klar ist, handelt es sich nicht um ein reales Produkt, sondern um eine PR-Aktion gegen Sklaverei. Das toll gemachte Video dazu möchte ich auf jeden Fall gern empfehlen und verbreiten:

Dazu natürlich noch der Link auf die Seite: http://www.phonest.net/

Es gab und gibt ja bereits Versuche, ein fair produziertes Smartphone zu produzieren, z,B. das Fairphone. Diese Aktionen sind lobens- und unterstützungswert. Doch was bewegen sie, außer dass ein paar von uns Glücklichen sich ein bisschen besser fühlen?

Um die teils unfassbaren Schieflagen auf dieser Welt wenigstens so weit zu korrigieren, dass zumindest die Menschenrechte und Grundbedürfnisse für *alle* einigermaßen abgedeckt sind, bedürfte es verblüffend wenig. Im Weg stehen lediglich Macht, Gier und die Gewissheit, dass Menschen, deren Grundbedürfnisse gedeckt sind, und die eine faire Chance haben, sich und ihren Kindern etwas aufzubauen, eine echte Gefahr darstellen, dass der Weltfrieden real werden könnte…

Ich stelle mir die Welt ja eher so vor wie in diesem Spot (unbedingt ganz ansehen! :D)

Grundbildung als Grundrecht

Wie die Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben (DGLS) vermeldet, hat das European Literacy Policy Network (ELINET) das Grundrecht europäischer Bürgerinnen und Bürger auf Lese- und Schreibkompetenz formuliert und in 11 Punkten zusammengefasst.

  1. Kleine Kinder werden in der Familie in ihrer sprachlichen und schriftsprachlichen Entwicklung gefördert.
  2. Eltern werden aktiv darin unterstützt, den Sprach- und Schriftspracherwerb ihrer Kinder zu fördern.
  3. Erschwingliche und qualitativ hochwertige Vorschulen und Kin­dergärten fördern die sprachliche und schriftsprachliche Entwicklung aller Kinder.
  4. Ein anspruchsvoller Lese- und Schreibunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird als Kernaufgabe aller Bildungsinstitutionen angesehen.
  5. Alle Lehrkräfte erhalten eine solide Aus- und Fortbildung, damit sie der an-spruchsvollen Aufgabe der Vermittlung von Lese- und Schreibkompetenzen im Sprach- und Fachunterricht gerecht werden können.
  6. Digitale Kompetenz wird bei allen Altersgruppen gefördert.
  7. Lesen zum Vergnügen wird aktiv gefördert und angeregt.
  8. Bibliotheken sind für alle Bürger/innen leicht zugänglich und bestmöglich ausgestattet.
  9. Kinder und Jugendliche, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, bekommen angemessene Hilfe von Expertinnen und Experten.
  10. Erwachsene werden dabei unterstützt, die notwendigen Lese- und Schreibfähigkeiten zu entwickeln, um aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können.
  11. Politische Entscheidungsträger, Fachleute, Eltern und kommunale Einrichtungen arbeiten gemeinsam an dem Ziel, allen Menschen den Erwerb angemessener Lese- und Schreibkompetenz zu ermöglichen und Bildungsbenachteiligung zu überwinden.

Weiterhin gibt es diesen Film, leider nur auf Englisch:

Die Grundrechtserklärung auf Deutsch finden Sie schön gestaltet hier als Poster oder hier als zweiseitiges Dokument.

Links:

Neuer TV-Spot vom BMBF

Gerade wurde ich auf diesen neuen TV-Spot hingewiesen*:
 

 
 
Der Spot ist professionell gemacht. TV-Werbequalität. Ich will jetzt gar nicht viel dazu sagen, und ich will auch lieber nicht wissen was er gekostet hat. Dennoch steht auch hier, so wie im professionellen TV-Werbegeschäft, am Ende die Frage nach Zählbarem. Und da bleibe ich skeptisch.

Erreicht der Spot den Teil der Betroffenen, der sich zu einem Kursbesuch durchringen könnte? Oder erreicht er wenigstens die sogenannten Mitwisser? Im Spot selbst kommen die betroffenen Menschen und ihre Lebenswelten – weder die tatsächlichen noch die idealisierten – nicht vor, weder visuell noch sprachlich.

Ich finde diesen Spot etwas enttäuschend und bemerkenswert unkreaktiv. Hach, wenn ich doch nur könnte, wie ich wollte! Mindenstens zwei fertige Konzepte für Spots hätte ich auch parat, nur nicht die Mittel für die Umsetzung…

Zur Seite der Kampagne geht’s hier.

*Dank an Achim für den Hinweis!

Verfall der Rechtschreibkompetenz?

Derzeit machen einige Meldungen über das schlechte Abschneiden bei der Rechtschreibung von Zehntklässlern in Hamburg die Runde, wohlgemerkt von Gymnasiasten. Die Meinungen dazu gehen ja bekanntlich weit auseinander. Die einen finden, Rechtschreibung ist ein essentieller Bestandteil anspruchsvoller Sprache, die wiederum Grundlage anspruchsvollen Denkens und Handelns ist. Andere meinen, Rechtschreibung sei überbewertet und Sprache ein reines Kommunikationsmittel und als solches möglichst effizient zu gestalten.

Dank Spiegel Online können Sie sich nun selbst testen. Hätten Sie’s gewusst? Finden Sie, Gymnasiasten der zehnten Klasse sollten in der Lage sein diese Fehler zu finden? Probieren Sie es jetzt!

 

Alle Rechtschreibfehler in diesem Beitrag zählen doppelt! 🙂

 

»Lebensqualität der Betroffenen steigern«

Niedersachsen
Niedersachsen geht entschlossen gegen den Analphabetismus vor. Für dieses Jahr hat das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur ein neues Programm zur Förderung zusätzlicher Bildungsangebote ausgeschrieben, das dazu beitragen soll, die Zahl der Analphabeten in Niedersachsen zu verringern. „Die Angebote sollen auf den Lebensalltag von Analphabeten zugeschnitten sein. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen dauerhaft zu steigern“, sagt Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić.

In Niedersachsen können rund 750 000 Erwachsene nicht lesen und schreiben, bundesweit wird deren Zahl auf 7,5 Millionen geschätzt. Defizite beim Lesen und Schreiben bleiben oft verborgen. Sie können aber der Grund für eine langanhaltende Arbeitslosigkeit sein.

Das Land fördert mit dem neuen Programm bedarfsgerechte Vorhaben, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Grundbildungskompetenzen wie Schreiben, Lesen, und Rechenfähigkeiten für den Alltag sowie die Nutzung von Medien, Internet und Smartphones vermitteln. Darüber hinaus werden Methoden und Instrumente unterstützt, die Bildungsangebote in den Einrichtungen der Erwachsenenbildung qualitativ verbessern.

Das Landesprogramm wird von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung begleitet. Interessenten können bis zum 1. Juni 2015 Anträge stellen.

Die Programmbeschreibung und die Anforderungen an die Projektskizzen sind hier abrufbar sowie auf der Internetseite der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung unter www.aewb-nds.de.

 
Quelle: Pressemitteilung MWK